img 2794

Die Tierwelt Patagoniens – Península Valdés oder Punta Tombo?

Entlang der Atlantikküste Argentiniens gibt es nur wenige Sehenswürdigkeiten. An der endlosen Küste säumen sich Strände, Steinküsten und kleinere Orte, während die umliegende Landschaft von weiter, karger und steppenartiger Natur geprägt ist. Genau diese unendliche Weite und die Küsten sind ein perfekter Lebensraum für Patagoniens Tierwelt.

 

Nachdem wir Buenos Aires verlassen hatten, überlegen wir immer wieder, ob wir die Halbinsel Península Valdés besuchen sollen. Sie gehört zu „den“ Hauptattraktionen in Patagonien. Unsere innere Stimme sagt uns: „Wir sind nur einmal hier, also müssen wir dahinfahren. Sonst verpassen wir vielleicht etwas.“ – FOMO (Fear of Missing Out). Die Angst etwas zu verpassen, kennen sicherlich viele Reisende. Doch dieses Mal widersetzen wir uns dieser inneren Stimme.

 

Warum? Die Península Valdés bietet ihren Besuchern die Chance, Wale in ihrem natürlichen Lebensraum zu bestaunen. Die Saison für Walsichtungen (Hauptzeit: September bis November) ist jedoch bereits vorbei. Unsere Erfolgsaussichten sind also sehr gering. Natürlich gibt es neben Walen noch viele weitere Tiere zu sehen, diese Tiervielfalt können wir aber an anderen Orten entlang der argentinischen Küste ebenfalls hautnah und teilweise kostenlos beobachten. Wir entscheiden uns stattdessen, in Punta Tombo zu halten und die weltweit größte Kolonie von Magellanpinguinen zu besuchen.

dsc00199

Die Nacht zuvor verbringen wir an einem Strand in der Nähe, welcher auch gern von Einheimischen zum Campen und Angeln aufgesucht wird. Manchmal zieht es auch Pinguine und Seeelefanten an diesen weitläufigen Strand. Und der kleine Wunsch, auf wilde Gefährten in freier Natur zu treffen, wird uns tatsächlich erfüllt. Während wir unser Geschirr nach dem Frühstück spülen, entdecken wir zwischen den Felsen einen Seeelefanten, der sich entspannt sonnt. Ist es nicht viel schöner, Tiere spontan und ohne jegliches Eintrittsgeld in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu können?

 

Auf den restlichen Kilometern nach Punta Tombo fahren wir durch die patagonische Steppe und bekommen die nächsten Tiere zu Gesicht. Das erste Mal sehen wir Guanakos von Nahem. Sie stehen symbolisch für Patagoniens Tierwelt. Begeistert stoppen wir mitten auf der wenig befahrenen Schotterstraße, um diesen Moment mit der Kamera festzuhalten. Was wir in diesem Moment noch nicht wussten, wir werden in den nächsten Wochen noch etliche Guanako-Herden sehen. Je südlicher wir in Argentinien kommen, desto höher wird die Chance auf Tiersichtungen und irgendwann stehen täglich unzählige Guanakos entlang der Ruta 3.

 

Als ich (Jessi) dort stehe und Fotos schieße, höre ich im Hintergrund eine Art hohes, wieherndes Geräusch. Ich drehe mich und sehe weitere Guanakos, welches mich fokussieren. Mein Instinkt rät mir, zum Auto zurückzugehen. Später erfahren wir, dass Guanakos Warngeräusche von sich geben, wenn sie sich bedroht fühlen. Dies war scheinbar eins.

img 2985
dsc00204
dsc00217
dsc00312

Wir fahren weiter entlang der Straße aus Schotter und Sand. Nach 25 km erreichen wir einen Parkplatz und kaufen uns Tickets für Punta Tombo. Hinter dem Eingang gehen wir durch ein kleines Museum über Pinguine und die heimische Tierwelt. Leider sind alle Informationstafel auf Spanisch. Auch das werden wir noch häufiger erleben. Am Museumsausgang irren wir kurz mit Fragezeichen über dem Kopf umher. Wo ist der Weg zur Küste? Dann laufen wir zurück zum Parkplatz und sehen, dass hier ein 1 km langer Weg weiter zur Kolonie führt. Wir lassen wieder einmal das Auto stehen und laufen, während alle anderen fahren. Als wir am unteren Parkplatz ankommen, sind wir dankbar für unsere Entscheidung, denn dieser Parkplatz ist voll und die Autos parken bereits entlang der Straße. Mit unserem Camper empfinden wir kleine, beengte Parkplätze immer als puren Stress.

 

Am Eingang bekommen wir eine kurze Einweisung und dann öffnet sich langsam die Tür in eine andere Welt – eine Welt, in der wir Menschen nur geduldete Besucher sind. Dieser Ort gehört den Magellanpinguinen. Sie haben sich diesen Fleck ausgesucht, um jährlich zurückzukehren und 6 Monate hier zu verbringen. Im September kommen die Pinguine, um ihre Nester zu bauen und die Brutzeit vorzubereiten. In der Brutzeit steigt die Kolonie meist auf über 1 Millionen Pinguine an. Und genau das finden wir vor, als wir Ende Januar hier sind. Ganz gleich, wohin unser Blick fällt, überall lassen sich Pinguine beobachten. Eltern, die ihre Jungen beschützen oder füttern. Pinguine, welche in ihren Höhlen schlafen, in der Sonne entspannen oder miteinander spielen. Sie kreuzen unsere Wege, als wöllten sie eine Straße überqueren, und schauen uns genauso neugierig an, wie wir sie. Wir lauschen ihrer Kommunikation, schauen ihnen beim Schwimmen zu und erblicken den Pinguin-Kindergarten am Strand. Richtig gelesen, Pinguin-Kolonien bilden eine Art Kindergarten, um gemeinsam die Jungen zu füttern und zu schützen.

 

Den Weg, den man als Besucher betreten darf, ist ein Holzsteg integriert in die Natur und hat nur eine Länge von 1,4 km. Wir brauchen ganze zwei Stunden dafür, weil wir immer wieder verweilen und das Leben der Pinguine bestaunen.

 

Für uns war es die richtige Entscheidung und ein Erlebnis, welches wir nicht mehr vergessen werden.

img 2996

Weitere Informationen für Reisende und Interessierte:

Der Zugang zu Punta Tombo erfolgt über eine 25 km lange Schotterstraße (Ruta Provincial A42), deren Zustand stellenweise gut, aber auch stellenweise sehr ausgefahren ist. Es gibt relativ scharfe Kurven, Ripio (Waschbrett) und Schlaglöcher.

 

Angekommen findet man zwei kleinere Parkplätze vor. Ein Parkplatz befindet sich direkt am Visitor Center, ein weiterer Parkplatz ist am Zugang zum Park. Das Parken ist kostenlos. Es besteht jedoch nicht die Möglichkeit, hier mit dem Camper zu Übernachten.

 

Am Visitor Center sind der Ticketverkauf, das Museum, sanitäre Anlagen und ein Souvenirshop. Bei uns war dieser geschlossen. Die Tickets konnten wir nur mit Karte zahlen (keine Barzahlung möglich). Das Ticket für einen Erwachsenen kostet 25.000 ARS (rd. 15 EUR). Nach dem Kauf der Tickets muss man der Straße einen weiteren Kilometer folgen, um zum Eingang zu gelangen.

img 2984

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert