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Buenos Aires – La Boca mehr als Fußball

Alle Fußball-Fans werden bei La Boca wohl sofort an mindestens einen Fußballverein oder an Maradona und Messi (obwohl er hier nie gespielt hat) denken, aber der kleine, bunte Stadtteil hat eine weit wichtigere Rolle für Buenos Aires. Darüber wollen wir an unserem dritten Tag in der Stadt mehr erfahren, weshalb wir ausnahmsweise eine geführte Tour buchen. Die Tour startet in der Nähe des ehemaligen Hafens von La Boca. Hier beginnt auch die Geschichte. Anfang des 20. Jahrhunderts sind unzählige Einwanderer aus Europa, vor allem aus Italien und Spanien, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Buenos Aires gekommen und im Hafen von La Boca angelandet. Damit entwickelte sich das europäische Flair, das Buenos Aires bis heute prägt.

Die meisten Einwanderer wohnten in improvisierten Häusern, da es nicht genügend Wohnraum gab. Häufig lebten sogar mehrere Fremde in einem einzigen engen Raum zusammen. Diese Häuser wurden provisorisch aus übrig gebliebenen Schiffsmaterial gebaut und boten zunächst keinen Schutz bei Starkregen oder Fluten, weshalb sie mit den verfügbaren bunten Farbresten des Schiffslack angestrichen wurden. Das Straßenbild nahm seine heute berühmte bunte Gestalt an, von welcher sich Touristen angezogen fühlen. Diese bunten Häuser, in denen einst Armut und Elend herrschte, sind für Touristen ein beliebtes Fotomotiv geworden. Auch heute leben Menschen noch in diesen Häusern, aber vorrangig in den abgelegeneren Seitenstraßen. Natürlich können auch wir nicht anders und rücken ein paar farbenfrohe Motive ins rechte Licht der Kamera.

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Vom Hafen aus gelangen wir in die Straße Caminito, eine kleine Freiluftgallerie in einer Fußgängerzone, in welcher Künstler ihre Kunstwerke ausstellen und anbieten. Bis heute wird die ansässige Kunstszene und der Stadtteil durch den Künstler Benito Quinquela Martín inspiriert. Er fand durch seinen erfolgreichen Aufenthalt in Europa auch in Buenos Aires künstlerische Anerkennung und lebte und förderte das Leben in La Boca entscheidend. Wir entdecken während unseres Rundgangs überall Kunst an Hauswänden und Mauern. Straßenkunst ist nicht verboten oder verpönt, ganz im Gegenteil sie wird unterstützt. Künstler signieren mit ihren Namen und Social Media-Accounts ihre Werke.

 

Wir ziehen weiter auf den Plazoleta Bomberos Voluntarios de la Boca. Der komplette Platz ist mit bunten Gemälden geschmückt, welche der freiwilligen Feuerwehr und den argentinischen Müttern der Mai-Revolution gewidmet sind. Unser Guide berichtet uns, dass La Boca auch als die Geburtsstätte des Tangos und der Freiwilligen Feuerwehr in Buenos Aires gilt. An diesem Platz organisierten sich einige der Einwanderer und gründeten gemeinsam eine Feuerwehr, um die durch offenes Feuer entstehenden Brände in den Häusern zu bekämpfen. Außerdem verbrachten europäische Einwanderer ihre freie Zeit gemeinsam bei Musik und Tanz. Durch die Zusammenkunft der verschiedenen musikalischen Traditionen entwickelte sich der Tango. Wie alles, was aus dem Arbeiterviertel La Boca kam, war er zunächst in den wohlhabenden Stadtteilen verpönt und blieb ein Tanz der Arbeiter. Allgemeiner Beliebtheit erfreute er sich erst, als er über die nationalen Grenzen hinweg bekannt wurde.

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Unsere Tour endet dort, wo dieser Artikel angefangen hat – beim weltweit beliebtesten Sport, Fußball. Wir stehen vor dem mitten in das urbane Leben gebaute, gewaltig wirkende Stadion La Bombonera („Die Pralinenschachtel“). Obwohl La Boca sehr bunt erscheint, ist das blau-gelbe Stadion kaum zu übersehen. Seine besonders steile und kompakte Bauweise führt dazu, dass die Stimmgewalt der Fans während der Spiele wie in einem Trichter gebündelt werden und die umliegenden Häuser und Straßenzüge zum Vibrieren bringen. Dies ist sicherlich ein einzigartiges Erlebnis.

Auch der Fußballclub Boca Junior wurde von europäischen Einwanderern gegründet. Der Name ist eine Kombination aus dem Stadtteil und dem jungen Alter der damaligen Spieler. Auch hinter den Vereinsfarben steckt eine einfache Geschichte. Die damaligen Gründer gingen in den Hafen und wählten die Farben der Länderflagge des Schiffes, welches als erstes einfuhr – es war eine schwedische Flagge. Übrigens wurde auch der rivalisierende Verein River Plate in La Boca durch Einwanderer gegründet.

Auch wenn wir Städte lieber auf eigene Faust erkunden, hat uns diese Stadttour positiv überrascht. Niemals hätten wir so einen tiefen, wertvollen Einblick in die Geschichte Buenos Aires durch Reiseführer und Museumsbesuche an einem einzigen Tag bekommen können.

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