Eine Woche sind wir bereits in Uruguay. Da das Land nicht sehr groß ist (ungefähr halb so groß wie Deutschland), bekommen wir in einer Woche zumindest einen guten Überblick über das Land. Die Städte Piriápolis und Punta del Este, welche wir uns bisher entlang der Küste angesehen haben, haben uns nicht angesprochen. Uns erinnerten sie an die Touristenhochburgen am Mittelmeer – überall Restaurants, Bars, Hotels, Gemischtwarenläden mit Badebedarf, Souvenirs und Sonnencreme und überfüllte Strände. Aus diesem Grund wollten wir uns eigentlich auf die Natur fokussieren und hatten José Ignacio bereits links liegen gelassen, jedoch benötigen wir Wasser und einen ruhigen Übernachtungsplatz. Marcel sagt an dem Morgen zu mir, er habe beides gefunden. Ich schaue an dem Tag nicht auf die Karte, um die Routenplanung zu optimieren, und ihm ist nicht mehr bewusst, dass die Stadt auf der Liste der Sehenswürdigkeiten steht. Somit verschlägt es uns nun doch nach José Ignacio und wir werden positiv überrascht. Während wir unseren Wassertank auffüllen, bekommen wir eine kleine Vorstellung von der Umgebung und wollen unbedingt mehr davon sehen.
Wir stellen unseren Camper, Erwin, direkt am Strand an einem traumhaften Stellplatz ab und spazieren entlang dem schier endlosen Strand in die Stadt. Am Strand erstreckt sich ein besonders entspannter Vibe. Es ist nachmittags, die goldenen Sonnenstrahlen wärmen angenehm, das Meer rauscht und überall genießen Einheimische mit Mate (Nationalgetränk) das Sonnenbad. Es gibt sogar eine Strandbar – die erste, die wir in Uruguay überhaupt sehen. Als wir den Eingang zur Stadt erreichen, verschwimmen die Grenzen zwischen Natur und Zivilisation. Der Sand sucht sich Wege in den Ort und wir laufen ein paar Schritte barfuß im Sand zwischen den Häusern umher, bis er immer weniger wird und die Straße übernimmt.
José Ignacio ist kein großer Ort oder eine überlaufene, touristische Metropole, sondern eher ruhig, beschaulich und gehoben. Dafür haben sich die Einwohner über die letzten Jahrzehnte eingesetzt. Überall reihen sich moderne, schicke Einfamilienhäuser und Villen, maritim anmutende Restaurants und edle Boutiquen. Hochhäuser, große Hotels, Bars und Nachtleben sucht man hier vergebens. Zentrum des Ortes ist ein ästhetisch angelegter Park, der zum Verweilen im Schatten der Palmen einlädt. Während wir durch die Straßen schlendern und unser erstes Eis essen (natürlich aus dem kleinen Supermarkt), umhüllt uns die Schönheit und die Stimmung des Ortes.
Leider können wir nicht bleiben. Nachdem wir uns etwas zu Essen gekocht hatten und den Abend ausklingen ließen, klopft es gegen 21 Uhr und die Polizei bittet uns den Stellplatz zu verlassen, da man hier nicht übernachten dürfte. Nirgends in Uruguay hatten wir Probleme beim Wildcampen, aber hier möchte man wohl lieber unter sich bleiben. Für uns ist das in diesem Moment zwar enttäuschend und wir müssen uns im Dunkeln einen neuen Übernachtungsplatz suchen, aber wir verstehen, was die Menschen hier bewahren wollen, respektieren dies und fahren in die Dunkelheit hinein. Glücklicherweise sind werden wir schnell fündig und haben noch eine ruhige Nacht.

Sehr sehr schön und sehenswert ♥️